Menschliche Entwicklung ist vielschichtig und erscheint uns oft chaotisch und unübersichtlich. Doch bei genauerer Betrachtung lassen sich zwei natürliche Reifeschritte voneinander unterscheiden: die Integration unserer Schattenanteile, die dazu führt, dass wir mit allen Potentialen unseren Platz in der Welt einnehmen können, und das Entdecken der spirituellen Dimension unseres Daseins.
Die personale Entwicklung
Der Mensch entwickelt seine Persönlichkeit im Wechselverhältnis der Beziehungen, in denen er lebt. Obwohl alle Potentiale für unsere menschliche Entwicklung bereits angelegt sind, brauchen wir als Kind die Bestätigung von außen, um unsere natürlichen Wesenseigenschaften entwickeln zu können. Da kein Mensch optimale Bedingungen hat, werden viele unserer natürlichen Anlagen nur unvollständig ausgebildet und wir verlieren häufig den Kontakt zu ihnen. Psychologisch ausgedrückt sinken sie ins Unbewusste oder werden verdrängt.
Es bleibt ein Mangelgefühl, das wir subjektiv häufig gleichsam als Loch empfinden: Wenn uns beispielsweise unsere Liebe abhanden gekommen ist, fühlen wir uns ungeliebt und strengen uns an, die Liebe anderer zu gewinnen. Wenn wir uns nicht getragen fühlen vom Leben, fühlen wir uns haltlos und versuchen das Leben und unsere Beziehungen zu kontrollieren. Wurde der Wille unterdrückt, fühlen wir uns unsicher und schwach und passen uns an. So entwickelt sich in den Beziehungserfahrungen die Persönlichkeit, das Ich mit seinen Stärken, aber auch mit seinen Löchern und Abwehrstrategien.
Der erste Entwicklungsschritt, der vor allem durch die Psychotherapie unterstützt wird, ist die personale Entwicklung. Dabei werden natürliche Potentiale, die wir aus dem Blick verloren haben, wieder integriert. Bildlich gesprochen gibt es Bereiche, die im Schatten liegen, und es gilt, dort wieder Licht hinzubringen, um als Mensch immer vollständiger zu werden. Ich möchte das an ein paar Beispielen deutlich machen.
Je mehr wir innere, verdrängte Anteile zulassen, umso vollständiger und integrierter werden wir. Wir entwickeln ein gesundes Selbstwertgefühl, können unseren Gefühlen Raum geben und brauchen uns nicht für sie zu schämen.
Die transpersonale Entwicklung
Wenn sich diese Integration zu einer persönlichen Vollständigkeit vollzogen hat, gibt es dann noch die Notwendigkeit für eine spirituelle Entwicklung? Ist jemand, der seinen Platz in der Welt einnimmt und für seine Bedürfnisse, Grenzen etc. sorgen kann, nicht glücklich? Leider nur sehr bedingt und das aus folgendem Grund: Selbst wenn wir innere Anteile weitgehend integriert haben, sind wir dennoch Begrenzungen im Leben ausgesetzt. Wir haben vielleicht gelernt, unsere Wünsche und Bedürfnisse wahrzunehmen und sie auszudrücken, aber sie werden trotzdem häufig nicht erfüllt. Jeder, der in einer Partnerschaft lebt, weiß, wie oft Bedürfnisse nicht erfüllt werden, selbst wenn man sie annimmt und ausdrückt. Wir wissen vielleicht, was wir wollen oder nicht wollen und haben gelernt, dafür einzutreten, aber wie oft kümmert sich das Leben darum? Wir werden weiterhin mit Ohmacht und Verlust konfrontiert. Das ist nicht unser persönliches Problem, wie wir zunächst häufig in solchen Situationen denken. Ohnmacht und Verlust sind nicht die Folge unseres Versagens, sondern ergeben sich als Wirkung aus der natürlichen Gesetzmäßigkeit des ewigen Wandels. Das Leben ist viel größer und mächtiger als unsere Vorstellungen und Vorlieben und spült diese manchmal wie ein reißender Strom mit Macht hinweg.
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